Cockatoo Island

Eine riesige Schiffsschraube hängt an einem gewaltigen Kran. Zeugnis des Schiffsbaus in Sydney.

Sydney wurde an einer großen Bucht gegründet. Diese Bucht ist sehr verzweigt und reicht etwa 10 km ins Landesinnere. Die sehenswerte Harbour Bridge über­spannt diese Bucht, und wenn man diese von der Oper oder dem Pazifik kommend passiert hat, erreicht man Cockatoo Island, eine Insel, die auf den ersten Blick gar nicht als solche zu erkennen ist. Viele Halbinseln ragen hier ins Wasser, so dass man um Cockatoo Island schon weit herumfahren muss, um zu erkennen, dass sie nicht mit dem Festland verwachsen ist.

Cockatoo Island

Cockatoo Island von der Fähre aus.

Dieser besonderen Lage hat die Insel ihre erste Nutzung zu verdanken: sie diente ab Mitte des 19. Jahr­hun­derts der Verwahrung Gefangener und es ist nur von einem einzigen Häftling überliefert, dass ihm die Flucht ans Festland gelang. Dabei ist es nur etwa 200 Meter von der Insel entfernt.

Eines von vielen Docks. Unübersehbar: viele Kräne

Eine Aufgabe der Gefangenen war es, Docks anzulegen. In diesen wurden in der Folgezeit Schiffe gewartet und gebaut, auch zu Zeiten noch, als die Gefangenen längst wieder abgezogen waren.

Während des Zweiten Weltkriegs spielte die Werft eine große Rolle bei der Herstellung und Wartung von Kriegsgerät.

Bereiche, die den Anforderungen an die Verkehrssicherheit nicht mehr genügen, sind abgesperrt. So auch diese Treppe, die mal das Unterland mit dem Plateau verband.

Der Zeltplatz bietet günstige Über­nach­tungs­möglichkeiten. Zelte muss man nicht mitbringen, die stehen schon und werden vermietet.

In der ersten Hälfte des 20. Jahr­hun­derts begann die Insel eine wichtige Rolle für die Herstellung und Wartung der Kriegsflotte für den Commonwealth und deren Alliierte zu spielen. Dies vor allem im Zweiten Weltkrieg nachdem die Werft in Singapur nicht mehr zu benutzen war. Da traf es sich ganz gut, dass auf der Insel schon bis 1910 eine komplette Schiffsfabrik entstanden war, auf der jegliches Zubehör für große Kriegsschiffe gefertigt und zusammen­gebaut werden konnte. Hierfür wurde die Insel vor allem auf dem Unterland sehr dicht mit Werkhallen bebaut. Gr0ße Kräne standen zur Verfügung. Einer davon war in der Lage, 150 Tonnen zu heben und war auch am Bau der Harbour-Bridge beteiligt.

Erst Anfang der neunziger Jahre wurde der Betrieb eingestellt, ein Teil der Anlage wurde abgebaut und verkauft, der Rest war der Verwitterung preis­gegeben. Erst zehn Jahre später wurde der Wert der Industriebrache erkannt: Die Stadt Sydney begann, die Insel in ein großes Museum zu verwandeln und das zu retten, was zu retten war. Viele Freiwillige begannen, alte Maschinen wieder herzurichten, Gebäude begehbar zu machen, viele Informationstafeln aufzuhängen und vor allem gefährliche Stellen zu sperren.

Gleichzeitig bekommt die Insel kulturelle und touristische Bedeutung. Zum einen finden in den riesigen Hallen Musik-, Theater-,  Artistik- und Kabarett­veranstaltungen statt, zum anderen wurde auf einer Rasenfläche ein Zeltplatz eingerichtet.

Ankunft auf der Insel. Am Fährhafen verteilt ein Freiwilliger Informationsflyer.

Wir besteigen am Circular Quay die Fähre und erreichen nach wenigen Minuten die Anlegestelle der Insel. Wir werden schon erwartet, ein Herr verteilt Flyer, auf denen Rundwege für das Plateau und das umgebende Unterland empfohlen werden. Zudem gibt es viele Informationen über die Geschichte der Insel.

Zum Industriedenkmal Cockatoo Island zählen viele Kräne. Die meisten sind sehr verwittert, das Besteigen ist untersagt.

Uns führt der Weg zunächst entlang des Campingplatzes. Dort stehen viele olivgrüne  Zelte in Reih‘ und Glied, sie gehören zur Insel und man kann sich dort einmieten. Einige Familen, die mit uns auf der Fähre unterwegs waren, bringen dort ihre auf dem Festland erworbenen Einkäufe unter. Die Insel bietet sehr zentral gelegen sehr günstige Über­nach­tungs­mög­lich­keiten für Besucher mit geringen Ansprüchen an Komfort.

Mehrere Tunnel durchqueren das Plateau. War es wirklich die Mühe wert, für 200 Meter Wegersparnis, solche Löcher in den Fels zu treiben?

Haus- und Felswand schließen direkt aneinander an. Für alles, das auf dem Unterland Platz braucht, wurden Teile des Plateaus abgesägt.

Die Halle des Turbine Shops werden für Kulturveranstaltungen genutzt.

Vorbei gehts an zwei Docks und einem verwitterten Kran. Ein schnurgrader Tunnel durchquert das Oberland, wir ziehen es aber vor, oberirdisch auf die andere Seite zu gelangen. Ein großer Kamin zeugt von einem Kraftwerk und einer Schmiede. Entlang einer Sandsteinfelswand geht es zum Dockyard, wo der erwähnte Tunnel endet. Hier sind die großen Docks, die großen Kräne, der Blick fällt auf alte Hallen. Aber auch ein neueres Back­stein­gebäude steht da, die Waffen­werk­statt wurde erst in den 1970er Jahren errichtet. Wir wagen uns kurz in den Tunnel, dessen Gewölbe von gebogenen Eisenbahnschinen gestützt wird. Zurück am Dockyard führt uns der Weg vorbei am Zugang zu einem weiteren Tunnel zur Turbinen­werkstatt, einer riesigen Halle. Sie steht sehr dicht an der Felswand. Wie zu lesen ist, wurde, als der Bau der Halle notwendig wurde, der erforderliche Platz aus dem Fels herausgesägt.

Rechts eine riesige Drehmaschine zur Bearbeitung von sehr langen Werkstücken, links eine für Werkstücke mit großem Durchmesser.

Die Halle steht leer, in einer Ecke sitzt ein junger Mann mit Zeichenblock, der sich an der Perspektive der Halle versucht. Wie in allen Hallen ist unter dem Dach ein Balkenkran angebracht. Ebenso in der Nachbarhalle, die nicht betreten werden darf, in die man aber hineinschauen kann. Dort stehen riesige Drehmaschinen. Eine war so groß, dass es mit ihr möglich gewesen sein dürfte, Schiffs­wellen, also die Verbindungs­achsen vom Schiffs­diesel zur Schiffs­schraube, zu bearbeiten. Sie hat ein Länge von über zwanzig Metern. Direkt daneben eine weitere Drehmaschine, diese eher für Werkstücke geringerer Länge aber größeren Durchmessers. Die Aufnahme für die Werkstücke war noch montiert und hatte mehr als 3 Meter Durchmesser. Vereinzelt stehen weitere Maschinen rum, oft ist mir deren Sinn nicht klar, viele Hallen stehen aber auch leer. In einer ehemaligen Werkstatt haben sich die Freiwilligen eingerichtet, die hier die Gerätschaften restaurieren. Ziel ist dabei sicher nicht deren Benutzbarkeit, sondern der Erhalt und ein neuer Anstrich. An der Back­stein­mauer einer Werk­statt ist vermerkt, dass das Gebäude 1908 errichtet wurde.

An einem der Steilhänge wurde ein Balkon befestigt. Unterhalb standen einmal Fabrikhallen, heute gähnt Leere.

In diesem mehrfach erweiterten Haus wohnte der Werksleiter mit seiner riesigen Familie.

Gerade hier oben auf dem Plateau sind viele Bereich aber unzugänglich und warten auf ihre Renovierung.

Wir verlassen den Hallen­komplex und stehen auf einer großen freien Fläche, die aber ursprünglich ebenfalls mit Werk­stätten bebaut war. Wir gehen in Richtung des Fähr­anlegers, dort gibt es eine Treppe zum Plateau. Das ist etwa 20 Meter höher als der Rest der Insel. Die Hänge sind wohl auch deshalb sehr steil, weil man aus Platzgründen jeden Quadratmeter, der auf dem Plateau entbehrlich war, dem Unterland zugeschlagen hat.

Hier oben war all das untergebracht, was nicht den Transport von schweren Gütern erforderlich machte. Hier steht das mehrstöckige Zeichenbüro, in dem auch Pläne für Flugzeuge ersonnen wurden, die Elektro- und die Holz­werkstatt und vor allem das Wohnhaus des Werksleiters und seine große Kinderschar nebst Tennisplatz. Auch sonst lebte Personal dort oben.

In einer großen Halle wurden die Schablonen gefertigt, nach denen dann in der Schmiede die Metallteile für die Schiffe hergestellt wurden.

Der Tennisplatz des Werksleiters kann stundenweise gemietet werden.

Hier oben sind die Häuser nicht begehbar. Lediglich in ein sehr schön renoviertes Ferienhaus kann man sich einmieten. Auch die Nutzung des Tennisplatzes ist möglich, der Blick von hier geht auf den Nordteil der Stadt und auf die Harbour Bridge. Der Platz ist hoch eingezäunt und hinter dem Zaun geht es gut 20 Meter senkrecht nach unten.

Der Rest sieht teilweise sehr verfallen aus, viele Wege und Flächen sind gesperrt, der Wasserturm ist eingerüstet.

Eine der größten Solaranlagen in New South Wales. Putzig.

Auf dem Dach des Turbinen­werkstatt wurde eine Solaranlage installiert. Das ist schön, die Freude darüber wird aber gedämpft durch den Umstand, dass es sich dabei um eine der größten im sonnenverwöhnten Bundesstaat New South Wales handeln soll. Energie­gewinnung findet hier sonst traditionell mit heimischer Kohle statt.

Mit der Fähre geht es zurück ans Festland. Und wir sind sicher: Das war nicht unser letzter Besuch auf dieser Insel, denn es gibt sicher noch viel zu entdecken.

Der Besuch der Insel kostet keinen Eintritt, lediglich die Fähre ist zu bezahlen, derzeit mit 5,60 $ pro Person und Strecke. Chris de Burgh, dessen Fans, notorische Schwarzfahrer und alle, die sonst noch das Geld für die Fähre nicht zahlen wollen, sollten die Anreise über die Anleger Luna Park oder Balmain East versuchen. Dort gibt es (wie auf der Insel auch) weder Kartenverkäufe noch -kontrollen. (Warum auch immer.)

Weitere Informationen gibt es hier:

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2 Antworten auf Cockatoo Island

  1. Hartmut sagt:

    Man merkt dass dieser Ausflug Deinem Ingenieurherz viel Freude bereitet hat!
    Ach ja und… Happy Birthday auch!

  2. Kollege Chrissi sagt:

    Da schließe ich mich doch glatt an („Happy Birthday“)… ich bastele auch gerade noch an einem Geburtstagsgeschenk… =)